Sven Gabor Janszky -


Deutschlands innovativster


Trendforscher

Trendanalyse: 2021 - Wie funktioniert eine Welt ohne Geheimnisse?

Eine Welt ohne Geheimnisse. Foto: Anna-Lena Ramm/pixelio.de

Was haben wir für Kämpfe erlebt in diesem Land! Seit Jahrzehnten geht es um mehr Bürgerrechte, um Mitbestimmung und die Demokratisierung der Gesellschaft. Das Mittel war immer das Gleiche: Transparenz! Schon lange bevor wir das Internet kannten, war die größtmögliche Transparenz das finale Ziel aller Denker und Veränderer in der Gesellschaft. Groß war der Jubel als das Internet in unser Leben trat und fast unverhofft eine völlig neue Qualität der Transparenz brachte.

 

Doch inzwischen ahnen wir, was am anderen Ende des Weges auf uns warten könnte. Die weiter zunehmende Technisierung und Digitalisierung treibt die Transparenz in ein Extrem: Extrem-Demokratie und Extrem-Transparenz oder kurz gesagt: Eine Welt ohne Geheimnisse. Plötzlich befinden wir uns in einer Dynamik der Technologieentwicklung, die uns vor der eigenen Courage erschaudern lässt. Denn vielleicht haben wir uns bereits eine irreversible technologische Welt geschaffen, in der jegliche Geheimnisse verschwinden?!

 

Der britische Experte für künstliche Intelligenz, Internationaler Meister im Schach und Autor des Buches "Love & Sex with Robots", David Levy hält eine Welt ohne Geheimnisse für möglich:

 

"It is already difficult to keep a secret and it will become more difficult as time goes on, so yes -- we must accept that eventually there will be no important secrets in the world." (David Levy)

 

Doch stimmt das? Ist es richtig, dass der ungebrochene Demokratisierungstrend mit den technologischen Möglichkeiten der Digitalisierung zwangsläufig in eine Welt der umfassenden Transparenz führt, in der es immer weniger möglich und kaum noch sinnvoll ist, Geheimnisse zu haben? Prof. Dr. Friedrich Weber, evangelisch-lutherischer Landesbischof von Braunschweig, hält dies für unvorstellbar:

 

"Im interreligiösen Dialog haben wir gelernt, dass alles darauf ankommt, dass Geheimnis des Anderen zu achten. Dies schließt Respekt vor seinem Anderssein ein. Ich muss vom je Anderen nicht Alles wissen und er auch nicht von mir, um mit ihm vertrauensvoll umgehen zu können. Die Kultur der Anerkennung setzt auf das Prinzip der Achtung vor dem Anderen, seines Geheimnisses." (Prof. Dr. Friedrich Weber)

 

Wenn die Geheimnisse aus unserem Privatleben verschwinden würden, dann würde dies nahezu alles im Leben ändern ... vom persönlichen Identitätsmanagement, über die Innovationsstrategien der Unternehmen bis zu den politischen Entscheidungsprozessen. Doch sind wir nicht spätestens seit Wikileaks auf dem Weg dazu?

 

Einer der langjährigen Köpf von Wikileaks sagt: NEIN!

 

"Eine Welt ohne Geheimnisse wäre keine in der ich Leben wollte, und ich glaube nicht, dass sie funktionieren könnte. In einer komplett transparenten Welt ist kein Platz für das Individuum und seine Fehler und Macken, Bedürfnisse und Emotionen. Zumindest wäre dies mit unserem heutigen Verständnis vom Zusammenleben nicht vorstellbar. Die Konsequenz wäre fatal in einer Welt die auf der Ausbeutung der Schwächeren beruht." (Daniel Domscheit-Berg)

 

Dies sehen jene jungen Anti-Datenschutz-Aktivistengruppen anders, die in der Bloggerwelt derzeit um die Deutungshoheit ringen. Julia Schramm gehört dazu. Genauer: Sie wurde in den Medien bekannt als Mit-Begründerin der "datenschutzkritischen Spackeria". "Datenschutz ist sowas von Eigthies!" ist ihr Schlachtruf. Und: "Keine Macht den Datenschützern!"

 

Auch Deutschlands bekanntester Hirnforscher, Prof. Dr. Gerald Hüther will vom gesellschaftlichen Streben nach mehr Transparenz nicht ablassen. Sein Augenmerk richtet sich dabei jedoch auf die Demokratiefähigkeit der Menschen:

 

"Transparenz ist doch eigentlich das, was wir alle brauchen und wofür wir immer wieder sorgen sollten, damit nicht immer wieder Einzelne ihre Süppchen auf Kosten Anderer kochen können. Nur mit der Demokratie ist es so eine Sache, denn Demokratie setzt voraus, dass alle Beteiligten auch wissen und verstehen können, warum welche Entscheidungen für unser aller Wohl günstig sind. Demokratiefähigkeit setzt also Bildung voraus und Orientierung am Gemeinwohl. Und daran hapert es leider bei zu vielen Menschen gegenwärtig noch viel zu sehr." (Prof. Dr. Gerald Hüther)

 

Daniel Domscheit-Berg war über Jahre ein Vertrauter von Wikileaks-Chef Julian Assange, distanzierte sich aber im Jahr 2010 von dem autoritären Führungsstil bei der Transparenz-Plattform und stieg aus.

 

Im Januar 2011 brachte Domscheit-Berg eine neue Whistleblower-Website online: "Openleaks". Der Transparenz-Vordenker zieht eine Trennlinie zwischen privater Transparenz und öffentlichen Entscheidern:

 

"Wichtig ist es, Transparenz für die Orte zu schaffen an denen sich Macht konzentriert. Das Wissen darum, dass es keine Schweinerei, keinen Missbrauch, keine Korruption oder unmoralische Handlung gibt die nicht ans Tageslicht kommen kann, ist ein extrem wichtiger Faktor. Geheime Systeme ohne externe Kontrolle korrumpieren -- organisatorisch wie menschlich -- und die Möglichkeit eines Verrats dieser Geheimnisse an sich stellt schon eine Kontrolle dar. Eine Korrumpierung der Menschlichkeit wie man sie zum Beispiel im Funkverkehr des Apache Helikopters aus dem Collateral Murder Video hören konnte, wäre nicht denkbar wenn die Beteiligten damit rechnen müssten, dass Ihre Eltern und Freunde Zeugen dieses Verhaltens werden könnten." (Daniel Domscheit-Berg)

 

Julia Schramm, David Levy, Daniel Domscheit-Berg, Bischof Friedrich Weber und Prof. Gerald Hüther werden die Frage nach Sinn und Unsinn von Transparenz und die Frage, ob die technologischen Entwicklungen dazu noch aufhaltbar sind, beim 10. Zukunftskongress des 2b AHEAD ThinkTanks diskutieren. Denn:

 

"Der Grad an gesellschaftlich wünschenswerter Transparenz muss neu definiert werden, anhand der Anforderungen an eine globale, vernetzte Gesellschaft. Und unsere Aufgabe ist es, die richtigen Weichen für einen fundamentalen Wandel im Selbstverständnis unseres Zusammenlebens zu stellen." (Daniel Domscheit-Berg)

 

JETZT NOCH ANMELDEN! 10. Zukunftskongress des ThinkTanks am 14./15. Juni

 

Der 2b AHEAD Zukunftskongress "2021 -- Generation Unsicherheit" hat den Anspruch, die innovativste Denkfabrik der deutschen Wirtschaft zu sein. In dem hochklassigen InvitationOnly!-ThinkTank entwerfen schon seit 9 Jahren 250 CEOs, VPs Innovation, Markenstrategen und Trendforscher ein Szenario für das Leben in 10 Jahren. Mit speziellen Konferenz- und Szenariotechniken debattieren sie die neuesten Trends für Innovationsprozesse und Kreativitätsmanagement in Medien- und Wirtschaftsunternehmen. Zentrale Fragen für den Zukunftskongress 2011 sind die Fragen nach den Lebens-, Arbeits- und Konsumwelten in 10 Jahren. Wie wohnen wir 2021? Wie arbeiten wir 2021? Wie konsumieren wir 2021?

 

Seien Sie dabei und melden Sie sich hier an: Programm & Anmeldung

 

In diesem Jahr hat der 2b AHEAD Zukunftskongress mit der Wolfsburg AG einen zusätzlichen, engagierten Premium-Sponsor gewonnen. Darüber hinaus wird die Veranstaltung in diesem und den darauffolgenden zwei Jahren durch den Personaldienstleister AutoVision GmbH, ein Volkswagen-Tochterunternehmen, als  weiteren Premium-Sponsor unterstützt. Der Sponsorenpool wird durch die Co-Sponsoren Volkswagen AG und Braunschweig Beteiligungen GmbH ergänzt.

 

Treffen Sie u.a. die folgenden Vordenker:

 

Business: 

 

Prof. Dr. Mei Zhaorong (China), Ex-Botschafter, Director, Institute of World Development Research (IWD) ... zum Thema: How to serve the chinese? ... oder: Welche Rolle deutsche Unternehmen 2021 in einer von China geprägten Welt spielen

Christoph Keese, Konzerngeschäftsführer Public Affairs, Axel Springer Verlag ? zum Thema: Von den Medien lernen ... nach welchen Prinzipien Unsicherheit zum Geschäftsmodell wird

Tim Wittenbecher, CEO, BallyWulff ... zum Thema: So funktionieren Geschäftsmodelle mit der Unsicherheit

Dr. Michael Maier, Vorstand, FIDOR Bank ... zum Thema: Wie die Bank der Zukunft aussieht

Sam Mandel (USA), Executive Vice President, TweetDeck ... zum Thema: Wie Technologie die Privatsphäre abschafft und als Produkt neu erfindet

Ned Wiley (USA / D), Managing Director, Axel Springer Digital TV Guide ... zum Thema: Die Produkte: Adaptivität als entscheidendes Produktkriterium der Zukunft

 

Gesellschaft:

 

Prof. Dr. Dr. Gerald Hüther, Hirnforscher ... zum Thema: Der Mensch: So verändert sich unser Hirn im Umfeld von Unsicherheit

Daniel Domscheid-Berg, Wikileaks-Aussteiger ... zum Thema: Wie sieht die Welt aus, wenn es keine Geheimnisse mehr gibt                           

Prof. Dr. Friedrich Weber, ev.-luth. Landesbischof  ... zum Thema: Von der Kirche lernen ... nach welchen Prinzipien Sicherheit zum Erfolgsmodell wird

Anke Domscheid-Berg, Vorstand Open Government, Ex-Director Government Relations, Microsoft ... zum Thema: Wie sich in der Welt der Unsicherheit politische Entscheidungsprozesse verändern

Prof. Dr. Thomas Schildhauer, Direktor IEB an der Universität der Künste ? zum Thema: Werden wir Technologie mehr vertrauen als Menschen?

 

Technologie:

 

Tan Le (Australia/USA), CEO Emotive ... zum Thema: Wie künftig Geräte mit Gedanken gesteuert werden

Philip Breus-Schneeweis (Austria), Gründer Wikitude ... zum Thema: Welche Entscheidungen uns Technologie im Jahr 2021 abnehmen wird

David Levy (UK), Schachgroßmeister, Buchautor "Love & Sex with Robots" ... zum Thema: Wieso wir Maschinen mehr vertrauen werden als Menschen

Keiichi Matsuda (Japan/UK), Extrem-Architekt ... zum Thema: Wie eine Welt funktioniert, in der wir jederzeit und für jedermann unsere Gedanken zeigen

Prof. Dr. Karlheinz Brandenburg, MP3-Erfinder, Direktor Fraunhofer IDMT  ... zum Thema: Wie aus Unsicherheit eine neue Innovationskultur entsteht

Thomas Mührke, Geschäftsführer von Adobe System Engineering ... zum Thema: Wie Technologie 2021 dem Menschen seine Entscheidungen abnimmt

 

... als Hosts im WorldCafe

 

Robert Amlung, Leiter Digitale Strategie, ZDF

Tim Gotthardt, Leiter Online Strategie, Audi

Stefan Jenzowsky, Senior Vice President, Siemens

 

... und in der Jury des Elevator Pitch:

 

Regina Mehler, Director Marketing, Adobe

Armin Molla, Leiter Innovation, ERGO direkt

Dr. Arne Schneemann, Leiter Geschäftsentwicklung, DB Fernverkehr

Oliver Syring, Vorstand, Wolfsburg AG


zurück zur Übersicht

Social Networks

ShareThis