Sven Gabor Janszky -


Deutschlands innovativster


Trendforscher

So / 29. Mai 2011 / 10:49 Uhr

"Sicherheit ist eine Illusion!"

Wir müssen begreifen, dass wir nicht die Herrscher der Welt sind, sagt Hirnforscher Gerald Hüther.

Prof. Dr. Gerald Hüther

Prof. Dr. Gerald Hüther ist Neurobiologe und Hirnforscher. Dabei beschäftigt er sich vor allem mit den Auswirkungen von Angst und Stress auf das Gehirn. Beim 10. Zukunftskongress des 2b AHEAD ThinkTanks wird Hüther deswegen über die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise und der zunehmenden Unsicherheit auf unser Verhalten reden. Ein paar Fragen hat er allerdings schon vorab beantwortet.

1. Wir erleben unsere Zeit spätestens seit der Wirtschaftskrise als Zeit der Unsicherheit. Erschreckt stellen wir fest, dass diese empfundene Unsicherheit nach der Krise nicht wieder verschwindet. Vielleicht werden wird die Unsicherheit als bestimmenden Zustand unserer Welt akzeptieren müssen. Zu anderen Zeiten oder in anderen Regionen müssen wir ja auch damit leben. Verändert sich der Mensch in Zeiten von Unsicherheit? Stellt sich das Hirn auf diese veränderte Umwelt ein? Gehen wir Menschen dann anders miteinander um?

Nicht Sicherheit, sondern Unsicherheit und Unberechenbarkeit und Unvorhersagbarkeit ist wohl eher das vorherrschende Gefühl, das das Leben von Menschen überall auf der Erde seit Menschengedenken bestimmt hat. Und überall haben sie versucht, Kontrolle über das, was sie verunsichert hat zu gewinnen. So recht gelungen ist das nie, aber bisweilen gab es Zeiten, in denen sich die Menschen der Illusion hingegeben haben, die Welt, die Natur, die Konflikte, die Probleme seien beherrschbar. Das war immer einer sehr attraktive Idee, die gegenwärtig in den Köpfen von Leuten vor allem der sogenannten westlichen Welt sehr tief verankert ist. Aber hilfreich ist sie nicht, denn wir sind nicht die Beherrscher der Welt. Wir werden uns auch diesmal wieder damit abfinden müssen, dass es keine Sicherheit gibt, oder schlimmer noch, dass wir selbst mit unseren Versuchen, alles kontrollieren zu wollen, die Welt immer unsicherer machen.



2. Wir erleben zugleich immer eindrucksvoller, dass der menschliche Geist gegen die Maschinen-Intelligenz unterlegen ist. Inzwischen wissen das alle Schachspieler und jeder iPhone-Benutzer macht im persönlichen Leben ähnliche Erfahrungen. Können wir Menschen den Wettstreit gegen die Computer noch gewinnen?

Ja klar, man braucht ja nur den Stecker rauszuziehen. Ein Computer weiß nicht, wie er sich die Energie für seine Aktivitäten beschaffen soll. Da nutzen ihm alle einprogrammierten Rechenleistungen leider überhaupt nichts.



3. Werden wir Menschen den Maschinen mehr vertrauen als anderen Menschen, weil wir wissen, dass die Entscheidungen der Maschinen intelligenter sind? Werden wir Menschen für Maschinen Gefühle entwickeln, weil wir die Maschinen als intelligenter und verlässlicher mehr schätzen als die Mitmenschen?

Computer sind nicht intelligenter als wir und werden das auch niemals sein. Sie können nur schneller und genauer all das berechnen und ausführen, wofür wir sie programmiert haben.
Um intelligent zu sein, müssten sie etwas empfinden können, das ihnen sagt, was wirklich wichtig, für sie selbst wichtig ist. Aber dazu bräuchten sie Gefühle und die hat man eben nur, wenn man über einen Körper verfügt, der spüren kann, was er braucht, der sich meldet, wenn man etwas macht, was ihm schadet oder gut tut.


4. Ein langanhaltender Trend unserer Gesellschaft ist die zunehmende Demokratisierung und Transparenz. Dies sind Werte für die schon lange vor Entstehen des Internet gekämpft wurde. Doch die weiter zunehmende Technisierung und Digitalisierung treibt die Transparenz in ein Extrem: Extrem-Demokratie und Extrem-Transparenz oder kurz gesagt: Eine Welt ohne Geheimnisse. Wie ändern sich die Menschen in einer zunehmend transparenten Welt?


Transparenz ist doch eigentlich das, was wir alle brauchen  und wofür wir immer wieder sorgen sollten, damit nicht immer wieder Einzelne ihre Süppchen auf Kosten Anderer kochen können.
Nur mit der Demokratie ist es so eine Sache, denn Demokratie setzt voraus, dass alle Beteiligten auch wissen und verstehen können, warum welche Entscheidungen für unser aller Wohl günstig sind.
Demokratiefähigkeit setzt also Bildung voraus und Orientierung am Gemeinwohl.
Und daran hapert es leider bei zu vielen Menschen gegenwärtig noch viel zu sehr.


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